Tief rote Zahlen für Continental
Continental ist im vergangenen Jahr angesichts der dramatischen Krise in der Autoindustrie tief in die roten Zahlen gerutscht. Unterm Strich stand für den früher erfolgsverwöhnten Konzern ein Rekordverlust von 1,12 Milliarden Euro.
Hauptgrund war eine Milliarden-Abschreibung auf den Firmenwert der übernommenen früheren Siemens-Tochter VDO. Der Konzern, dessen schwer angeschlagener Großaktionär Schaeffler um Staatshilfen kämpft, will nun noch stärker als bisher den Rotstift ansetzen. Oberste Priorität habe der Abbau des hohen Schuldenberges von 10,5 Milliarden Euro.
Vorstandschef Karl-Thomas Neumann sagte am Donnerstag in Hannover, Continental wolle Investitionen zurückfahren und bei Forschung und Entwicklung sparen. Außerdem solle die Kurzarbeit ausgeweitet werden.Die Conti hat bereits rund 7.000 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Das Unternehmen rechne im laufenden Jahr mit "erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen".
Der Rekordverlust des Konzerns beruhte vor allem auf einer Abschreibung in Höhe von 1,23 Milliarden Euro auf den VDO-Firmenwert. Diese erforderliche Abschreibung aufgrund der schwächeren Marktentwicklung "enttäuscht uns natürlich sehr", sagte Neumann. 2007 hatte Conti noch mit einem Gewinn von 1,02 Milliarden Euro aufwarten können. Der Konzern erwartet aber 2009 unterm Strich wieder ein positives Ergebnis – falls Abschreibungen ausbleiben.
Die Conti-Spitze betonte, ohne die Abschreibungen bei VDO hätte der Konzern im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben. Conti hatte für mehr als 11 Milliarden Euro bezahlt und sich hoch verschuldet. Bereinigt um Sondereffekte stieg das Ergebnis 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro. Conti sprach von einem im Branchenvergleich "respektablen Ergebnis". Der Konzern-Umsatz erhöhte sich vor allem wegen der VDO-Übernahme um fast 46 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro.
Die Zukunft von Continental ist weiter offen. Großaktionär Schaeffler ist wegen der Conti-Übernahme hoch verschuldet und schwer angeschlagen. Die Gruppe bittet um Milliarden-Staatshilfen. Conti-Vorstandschef Neumann ging nicht auf Fragen zu einem möglichen Zusammenbruch von Schaeffler ein. Er sagte aber, Conti wolle dafür sorgen, nicht "Teil des Problems", sondern "Teil der Lösung" zu sein.
Conti und Schaeffler arbeiten derzeit an einem Konzept zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Autozulieferer-Sparten. Dies werde aber noch Monate dauern, sagte Neumann. Die Conti Reifen Sparte soll ausgegliedert werden, auch ein Verkauf gilt als Option. Der Prozess der Zusammenarbeit mit Schaeffler sei "weder störungsfrei noch geräuschlos" erfolgt, sagte Neumann. Es sei noch nicht klar, in welcher Konstellation Conti und Schaeffler künftig kooperierten. Zumindest im Einkauf etwa von Stahl arbeiten die beiden Unternehmen ab sofort zusammen.
Neumann sagte, die mit dem Kauf von VDO verbundenen Erwartungen hätten sich nicht wie geplant erfüllt, der Kauf sei sicher kein "Schnäppchen" gewesen. Dennoch sei die Übernahme der richtige Schritt gewesen, denn Conti sei damit in den wichtigsten Branchentrends Sicherheit, Umwelt und Information bestens positioniert.
Das größte Sorgenkind unter den einzelnen Konzernsparten bleibt der Geschäftsbereich Powertrain, ein früheres VDO-Kerngeschäft. Powertrain fertigt Komponenten für Motoren und Getriebe. Die Sparte verzeichnet wegen der Autokrise sowie hausgemachter Probleme hohe Verluste. Dagegen erzielte Conti etwa im Bereich Autoreifen eine vergleichsweise hohe Rendite.
